Horrornacht am Deutschen Gymnasium Nordschleswig: Drei Gewinnertexte aus einer Nacht voller Kreativität und Gänsehaut
Die Horrornacht am Deutschen Gymnasium Nordschleswig (DGN) hat auch in diesem Jahr bewiesen, wie vielseitig und fantasievoll junge Menschen das Genre zwischen psychologischer Tiefe, Mythos und subtilen Alltagsängsten gestalten können. 13 Schülerinnen und Schüler hatten sich zur Langen Nacht des Schreibens versammelt – und aus dieser intensiven Arbeitsatmosphäre gingen schließlich zehn Kurzgeschichten hervor, davon zwei auf Englisch und acht auf Deutsch.
Pizza, Film und Gruselatmosphäre als Auftakt
Bevor die Stifte glühten und die Tastaturen klapperten, brachten sich die Jugendlichen gemeinsam in Stimmung: Bei Pizza, Gesprächen und einem passenden Horrorfilm entstand jene Mischung aus Nervenkitzel und Gemeinschaftsgefühl, die der Nacht ihre besondere Atmosphäre verlieh. Erst nachdem der Abspann lief und das Licht wieder angeknipst wurde, begann der eigentliche kreative Marathon – und er sollte sich lohnen.
Die Gewinnertexte
Zwischen Trauer und Identität: „The Grief of Another“ von Elina Inga Vilp
Eine besondere Rolle unter den zehn Einsendungen spielte Elina Inga Vilps „The Grief of Another“ – nicht nur, weil es einer der beiden englischsprachigen Beiträge war, sondern auch wegen seiner emotionalen Intensität.
Der Text begleitet einen jungen Mann, der nach dem Tod seiner Großmutter in eine Spirale aus Trauer, Selbstzweifeln und übernatürlichen Visionen stürzt. Psychologischer Horror ersetzt klassische Effekte, während familiäre Wunden wie ein unheimliches Erbe nachwirken.
Vilp gelingt eine Geschichte, die leise beginnt und sich zu einem klaustrophobischen, inneren Zusammenbruch steigert – bis die Grenzen zwischen Erinnerung, Angst und Realität zerfließen.
Mythos und Atmosphäre: „Táo mù“ von Justin Funck
Justin Funcks „Táo mù“ entführt die Lesenden in eine eisige Winternacht nach Beijing und in den Yonghe-Tempel, wo ein junger Mann ein Ritual vollzieht – und in einen albtraumhaften Strudel aus Wind, Stimmen und Gestalten gerät.
Die Verbindung traditioneller Motive mit psychologischem Grusel macht den Text so intensiv. Besonders die goldgekleidete Frau und die magische Brücke schaffen eine traumartige, mythische Atmosphäre, die sich schließlich in düsteren Schrecken verwandelt.
Funcks Geschichte packt, weil sie sich wie eine Legende anfühlt, aber mit der Präzision einer modernen Horrorerzählung arbeitet.
Horror im Alltag: „Die Routine“ von Lucia Bogovic, Neele Marie Lammerskitten und Gresa Bajgora
Der dritte Gewinnertext beweist, wie erschütternd subtil Horror sein kann.
In „Die Routine“ wird ein gewöhnlicher Küchenabend zum Schauplatz schleichender Irritationen: Ein Vater bereitet das Lieblingsessen seiner Kinder zu, doch Düfte, Stimmen und Lichtverhältnisse verändern sich unmerklich – bis aus dem Familienidyll eine verstörende Szenerie entsteht.
Die Autorinnen setzen auf feine Details, die sich langsam zu einem unheimlichen Puzzle zusammenfügen. Der Schluss, in dem Radiomeldung und Realität kollidieren, hallt lange nach.
Eine Nacht, die nachwirkt
Die Horrornacht am DGN brachte nicht nur drei herausragende Gewinnertexte hervor, sondern auch ein beeindruckendes Gesamtbild der Kreativität der Teilnehmenden. Aus dem Zusammenspiel von Gemeinschaft, Grusel und konzentrierter Schreibarbeit entstanden zehn sehr unterschiedliche Geschichten – atmosphärisch, emotional, schockierend oder leise verstörend.
Wie schon im Vorjahr zeigte sich: Die Lange Nacht des Schreibens ist nicht nur ein Wettbewerb, sondern ein Erlebnis, das inspiriert – und den Mut fördert, tief in die Dunkelheit der eigenen Fantasie zu tauchen.
Herzlicher Dank für Einsatz, Verantwortung und Fachkompetenz
Ein herzlicher Dank geht an Kiruba und Nathalie, die mit großem Engagement die Verantwortung für diesen Abend getragen haben. Ohne Arnbjörn und Elizabeth wäre dieser besondere Anlass jedoch nicht dasselbe gewesen – ihr Beitrag hat den Abend erst vollständig gemacht.
Ebenso möchten wir den Englisch- und Deutschlehrpersonen danken, die mit ihrer sorgfältigen Juryarbeit die Auswahl ermöglicht haben. Ihr Einsatz hat maßgeblich zum Gelingen beigetragen.
